Aktuelles / Montag, 24.07.2017

Der Blumenmann vom
Sophie-Charlotte-Platz

Am liebsten mag er regionale Blumen, wie sie auch in Gärten wachsen. Giuseppe Salanitri hat sein Blumengeschäft in einem denkmalgeschützten Zeitungskiosk am Sophie-Charlotte-Platz in Charlottenburg. Fotos: Rainer Jensen

Mit italienischem Lebensgefühl verkauft Giuseppe Salanitri in einem denkmalgeschützten Kiosk bunten Sträuße. Fotograf Rainer Jensen hat den Blumenmann begleitet.

Von Uta Keseling

„Fiori belli“, schöne Blumen, so heißt der winzige Kiosk neben dem Taxistand am Sophie-Charlotte-Platz. Wer hier wohnt, kennt das Büdchen, das, heute denkmalgeschützt, vor gut 100 Jahren als Zeitungskiosk gebaut wurde. Seit 14 Jahren ist es ein Blumenladen. Die meisten Anwohner kennen auch dessen Inhaber, denn „Fiori belli“ ist ein Einmannbetrieb: „Giuseppe“, so stellt sich der 56-Jährige vor. Der Vorname reicht.

Typisch italienisches Lieferfahrzeug

Sein Angebot: Schöne Blumen für „Freud und Leid“, so lautet sein Motto, das auch auf der blauen Ape steht, dem typisch italienischen Lieferfahrzeug.

Der winzige Kiosk ist mehr als 100 Jahre alt und denkmalgeschützt. Das blaue Gefährt links ist eine „Ape“ („Biene“), ein typisch italienisches Lieferfahrzeug

Blumen also für Menschen, die sich selbst oder anderen eine Freude bereiten möchten. Oder Trost spenden. „Freude und Leid gehören ja zum Leben wie Blumen auch“, sagt Giuseppe.

Gegen sechs Uhr früh kauft Giuseppe auf dem Großmarkt seine Waren ein, am liebsten bei regionalen Händlern

Seine Tage beginnen früh um halb sechs, wenn er zum Großmarkt an der Beusselstraße startet. Unterbrochen wird die Fahrt von einem „Caffè“, wie der Espresso in Italien heißt. Seine Ware kauft Giuseppe am liebsten bei regionalen Händlern. Momentan sind Ringelblumen und Margeriten angesagt. Und Sonnenblumen. Sie beginnen gerade zu blühen – auf den Feldern im Berliner Umland ebenso wie bei „Fiori belli“ am Sophie-Charlotte-Platz.

Sonntags hat der Blumenmann zu

Von 8 bis 18 Uhr ist bei Giuseppe werktags Zeit für einen Blumenkauf oder auch für ein Schwätzchen, sonnabends bis 16 Uhr, nur sonntags ist zu. Sein Job mache ihm Spaß, sagt er, „die Kunden sind toll, und Freunde kommen mich gern besuchen, jeder weiß ja, wo ich bin.“ Das Blumen-Büdchen am Platz: ein bisschen italienische Piazza, ein bisschen gemütliches West-Berlin.

Die meisten Kunden kennen Giuseppe. Er ist ein Einmannbetrieb und arbeitet seit 14 Jahren am Sophie-Charlotte-Platz.

Giuseppes Vater kam in den 60er-Jahren als Gastarbeiter aus Sizilien, die Kinder wuchsen in Hagen auf. Bis heute fühlt sich die Familie beiden Heimaten verbunden, sagt der Blumenmann.

Bunte Blumen werden mit schönem Grün zu Sträußen gebunden, die aussehen, als kämen sie direkt aus dem Garten

Dass er Blumenhändler wurde, war nicht vorherbestimmt. Im heißen Sizilien käme niemand auf die Idee, Blumen zu verschenken. Giuseppes Laden verbindet wie er selbst zwei Traditionen – die nordeuropäischen Liebe zu Schnittblumen und die sizilianischen Freude am Leben.

Mehr Italien in Berlin geht kaum: Giuseppe in seiner „Ape“. Dies ist die etwas größere Version, in der man zu zweit vorne sitzen kann