Aktuelles / Dienstag, 25.04.2017

Der Lietzenseepark
wird neu gedacht

Beliebt bei den Anwohnern war der Charlottenburger Lietzenseepark schon immer, wie man hier auf einer Aufnahme um 1924 sieht, auf der Kinder im Becken der kleinen Kaskade spielen. Foto: Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Er soll sich verändern, aber auch so bleiben wie er ist. Diesen Spagat soll das neue Parkpflegewerk für den Lietzenseepark leisten. Ein Instrument, das Geschichte und Zukunft zusammenführen soll.

Von Carolin Brühl

Drei Jahre hat die Arbeit an dem sechsbändigen Parkpflegewerk gedauert. Das Landesdenkmalamt, das bezirkliche Grünflächen- und Umweltamt, aber auch die Vereine „Bürger für den Lietzensee“ und „ParkHaus Lietzensee“ haben darin ihre Vorstellungen eingebracht, wie sich der 1919-1921 vom Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth angelegte rund zehn Hektar große Volkspark und der etwa sechs Hektar große See künftig entwickeln sollen.

Der Plan ist vom Juli 1920 und zeigt den Entwurf des Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth. Foto: Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf

„Wenn jetzt ein Baum gefällt werden muss, weil er nicht mehr standsicher ist, können wir nachschlagen, was hier ursprünglich für einer stand oder ob Barth da überhaupt einen Baum eingeplant hatte“, sagt Dr. Dietmar Land, der die „Gebrauchsanleitung“ für den Park aus historischen Unterlagen und aktuellen Forderungen zusammengefügt hat.

Wird stark genutzt: Der in den 20er-Jahren von Erwin Barth angelegte Lietzenseepark. Foto: Carolin Brühl

„Das Parkpflegewerk ist zuerst einmal eine mehrschichtige Bestandsaufnahme über die Art der Nutzungen, die vorhandenen Denkmale und auch die Biotope“, sagt Walter Schläger, Fachbereichsleiter Grün im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Es soll Erhaltungs- und Entwicklungsziele für den Park in den nächsten Jahrzehnten aufzeigen, die von der Verwaltung in Zukunft bei der Umsetzung der Pflegepläne genutzt werden können, aber für die Bürger, die sich im Park engagieren, logisch nachvollziehbar sein sollen. Schläger zufolge sind die Aufgaben vielschichtig. Die denkmalgeschützte Anlage soll erhalten werden, der Park aber auch für den immer stärkeren Nutzungsdruck fit gemacht werden. Zu berücksichtigen seien auch Ziele der Biodiversität, also die Erhaltung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren sowie die Wasserqualität des Sees. Ein besonderer Schwerpunkt des Pflegewerks liegt Schläger zufolge in den Zeiten klammer Bezirkskassen auf der Einsparung von Pflegekosten.

Stauden und Frühlingsblüher wachsen an den Rändern der kleinen Kaskade, doch das Wasser in der abfallenden Brunnenanlage fließt nicht. Foto: Carolin Brühl

Wie sehr diese Punkte ineinandergreifen, schildert Norbert Voss von den „Bürger für den Lietzensee“ am Beispiel der kleinen Kaskade. Die Beete entlang der mehrstufigen, denkmalgeschützten Brunnenanlage werden zwar liebevoll vom Verein bepflanzt und gepflegt, doch das Wasserspiel selbst ist in einem desolaten Zustand und müsste dringend saniert werden. Statt einer Wasserkaskade fließt nur ein dünnes Rinnsal von Rand des Parks in den See.

Bezirk hat kein Geld für die Sanierung des Brunnens

Die rund 200.000 Euro, die die Sanierung kosten würde, hat der Bezirk aber nicht. Das bedeute, so Voss, dass der See nicht genug frisches Wasser zugeleitet bekomme, was vor allem in heißen Sommern immer wieder zu Problemen mit der der Wasserqualität führe. „Dann stinkt der See“, so Voss. „Für solche Fragen benötigen wir nachhaltige Antworten“, sagt Schläger, doch die Umgestaltung des Lietzenseepark sei ein Prozess der kleinen Schritte und müsse über einen längeren Zeitraum vonstatten gehen.

Norbert Schläger, Fachbereichsleiter des Grünflächenamts, zeigt einen der Ordner, die das Parkpflegewerk beinhalten. Foto: Carolin Brühl

„Der Park steht als gartenkulturelles Erbe unter Denkmalschutz“, sagt Dietmar Land. Teile der Anlage stammen Land zufolge noch aus der Kaiserzeit, der Großteil wurde aber in den 20er-Jahren angelegt. „Es gibt Skulpturen aus verschiedenen Epochen, aber beispielsweise auch den Spielplatz an der Herbartstraße aus dem 50er-Jahren“, so der Experte. Dieses vielschichtige Gartendenkmal gelte es zu erhalten. Es sei aber nicht museal, sondern werde das ganze Jahr über genutzt. „Wenn wir hier pflegerische Arbeiten durchführen, ist wie Operieren am offenen Herzen“, sagt Land. „Wir stellen zwar Bauzäune auf, aber die werden einfach umgerannt. Die Leute wollen sich hier wie gewohnt aufhalten, da nutzen auch Zäune nur wenig.“

Hat das Parkpflegwerk geschrieben und erklärt den Prozess, den es in Gang setzen soll: Dr. Dietmar Land. Foto: Carolin Brühl

Darüber wie der Park einmal ausgesehen hat, sei viel Wissen verloren gegangen, bedauert Land. So sei beispielsweise der Spielplatz zwischen See und dem Parkwächterhäuschen noch relativ neu. Auf alten Aufnahme könne man sehen, dass das Areal schon früher eine Spiel- und Aufenthaltswiese genutzt wurde, aber einen Spielplatz und solche Spielgeräte habe es in den 20er-Jahren noch nicht gegeben.

Neue Bänke nach historischem Vorbild

Parallel zur Arbeit am Parkpflegewerk sind bereits einige Maßnahmen durchgeführt worden, die die historische Form des Parks wieder aufnehmen. Land zeigt auf drei Bänke, die nun vom Parkwächterhaus in einer Sichtachse zu See zu sehen sind. „Der Blick auf den See war zugewachsen. Wir haben ihn wieder freigelegt.“ Die Sitznischen mit den Bänken liegen an einem Uferweg, an dem gerade gebaut wird. „Am schönsten ist das Ergebnis immer, wenn man gar nicht merkt, dass sich etwas verändert hat, weil es einfach logisch wirkt“, sagt Land.

Auf der alten Postkarte sind Sitznischen mit Bänken zu sehen. Foto: Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Neue Bänke stehen auch jetzt wieder in Nischen entlang des neugestalteten Uferwegs. Foto: Carolin Brühl

Der neugewonnene Blick auf den See freut auch den Verein „ParkHaus Lietzensee“, der das denkmalgeschütze Parkwächterhäuschen zu einer Begegnungsstätte umbauen will und dafür auch Lottomittel bekommen hat. Die beiden Lietzensee-Vereine fordern regelmäßige runde Tische mit dem Bezirksamt zur Situation im Park. Vor allem der Vermüllung an den Wochenende wollen sie mit einer Aktion begegnen, in die auch Geschäfte und Restaurants in der Umgebung eingebunden werden. „Wir haben da viele Ideen“, sagt die Vorsitzende des Vereins ParkHaus Lietzensee, Katja Baumeister-Frenzel. Müll solle schon an der Verkaufstätte vermieden werden und gar nicht erst im Park landen.

Voller Elan und guter Ideen: Katja Baumeister-Frenzel und Carsten Knobloch vom Verein ParkHaus Lietzensee. Foto: Carolin Brühl

Das Parkpflegewerk gibt es auf der Seite des Umwelt- und Naturschutzamtes Charlottenburg-Wilmersdorf übrigens auch online. Interessenten bitte HIER klicken.

 

Kommentare

  1. Hallo, ich wohne direkt am Lietzensee und bin auch im Verein „Bürger für den Lietzensee“ und begrüße es, dass endlich was passiert! Es ist schade, dass das Grünflächenamt nicht genügend Geld zur Verfügung hat.

    • Ja, da haben Sie recht, aber schrittweise bewegt sich ja auch etwas. Schön ist auch, dass Bürger aus der Nachbarschaft beispielsweise Bänke gestiftet haben. Aber die Qualität dieses Parks hängt maßgeblich auch mit dem großartigen Engagement der beiden Lietzensee-Vereine zusammen.

  2. Ich finde das allgemeine Engagement toll, aber man sollte sich nicht *nur* an der Vergangenheit orientieren.

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