Aktuelles / Freitag, 08.09.2017

Der Erfinder der Neuen
Prächtigkeit wird 80

Matthias Koeppel Neavenezia, 2015/17 Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm

Zum 80. Geburtstag des Berliner Malers Matthias Koeppel zeigt die Kommunale Galerie in Wilmersdorf die Ausstellung „Experiment und Methode“.

Mit Ölgemälden, Fotografien, Zeichnungen, Skizzen und Vorstudien, Radierungen und Lithografien bietet die Ausstellung intime und überraschende Einblicke in das Schaffen des Wahlberliners Matthias Koeppel. Anhand jüngster Werke werden die Arbeitsschritte Koeppels und die Entwicklung seiner Bildfindung anhand von Skizzen und Studien aufgezeigt. Zu hören sind seine Sonette und „starckdeutschen“ Gedichte, Kompositionen wie Hymnen und Tangos sowie Koeppels frühe Texte als Kunstkritiker aus den Jahren 1968–1972. Ergänzt wird die Schau durch private Fotografien.

Matthias Koeppel vor seinem Bild „Geselliges Beisammensein“ von 1967, Selbstauslöser-Foto, 1968

1973 gründen die vier Berliner Realisten Matthias Koeppel, Manfred Bluth, Johannes Grützke und Karlheinz Ziegler die „Schule der Neuen Prächtigkeit“, in der mit nahezu methodischem Vorgehen experimentiert wird. Mehrere Jahre ziehen sie als Gesamtkunstwerk mit Malerei, Schauspiel, Musik, Dichtung, Fotografie, Szenischen Nachstellungen etc. die Aufmerksamkeit auf sich. Aus dieser Schaffensphase werden Werke aus der gemeinsamen Grafikmappe, Fotografien und erstmals der Almanach der Künstlergruppe gezeigt, der einen Einblick in deren unangepasste und unzeitgemäße Arbeit ermöglicht.

Umbruch der Hauptstadt mit dem Selbstauslöser festgehalten

Seit den 80er-Jahren widmet sich Koeppel intensiv der Fotografie und schafft mehrere große Serien. Seine „Gruppenbilder“ sind sorgfältig arrangiert, nichts wird dem Zufall überlassen. In letzter Sekunde schlüpft der Regisseur programmatisch selbst ins Bild. Mit einer Hasselblad hält er in der Serie „Berlin-Landschaft“ nach dem Fall der Mauer den Umbruch der Hauptstadt mit dem Selbstauslöser fest. Sein Fokus ist die Dokumentation der sich wandelnden Umwelt – künstlerisch inszeniert.

Klassische Ölmalerei ist Koeppels wichtigstes Medium

Matthias Koeppel, Morgengrauen, 1970, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

Trotz dieser Vielfalt an Techniken und Gattungen, die dialektisch Experiment und Methode in sich tragen, versteht sich Koeppel, ehemaliges Mitglied im Künstlersonderbund und Ehrenmitglied im Verein Berliner Künstler, selbst ausschließlich als Maler. Die klassische Ölmalerei ist sein wichtigstes Medium. Beispiele seiner frühen, abstrakten Malerei, die in 60er-Jahren an den deutschen Kunstakademien gelehrt wird und zu der Koeppel immer wieder – wie im stillen Dialog – zurückkehrt, Werke seiner unverkennbar eigenen, realistischen Bildsprache sowie seines zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelten Personalstils des Neokubismus ergänzen die Ausstellung.

Information

Zu sehen ist die Ausstellung bis 29. Oktober 2017 während der Öffnungszeiten der Kommunalen Galerie dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.
Der Eintritt ist frei

Zum 80. Geburtstag des Künstlers erscheint auch das Katalogbuch „Nichts bleibt, wie es ist…“ Matthias Koeppel, Malerei, 152 Seiten, Verkaufspreis 25 Euro.

Führung und Gespräch mit Matthias Koeppel:
Sonntag, 10. September 2017, 14 Uhr
Sonntag, 1. Oktober 2017, 14 Uhr
Sonntag, 15. Oktober 2017, 14 Uhr