Aktuelles / Donnerstag, 17.09.2015

Das CHIC – Ein Zukunftsort mitten in der City West

Keine Boutique, sondern ein Hort kluger Köpfe: Das CHIC ist das neue Gründerzentrum auf dem Campus Charlottenburg. Vor allem innovative Unternehmensideen, die sich an den Universitäten TU und UdK entwickeln, werden hier gefördert. Foto: Amin Akhtar

Am Charlottenburger Ernst-Reuter-Platz geht mit CHIC eines der größten Gründerzentren Berlins an den Start. Der Stadt erhofft sich davon neue Impulse für die Wirtschaft.


Von Carolin Brühl

Das Haus riecht förmlich nach Innovation und Aufbruch. Und wenn man den jungen Unternehmern zuhört, die das frisch renovierte Gerling-Haus an der Bismarckstraße 10-12 inzwischen zu 80 Prozent gefüllt haben, wird schnell klar, wozu so ein Gründerzentrum gut ist. „Räume sind Krieg“, zitiert Mark Holtbecker den Präsidenten seiner ehemaligen Universität, der Berliner UdK, von wo aus er mit der Idee für sein Unternehmen „Storyfeed“ gestartet ist. „Storyfeed“ will die Kluft zwischen Fernseh- und Online-Werbung schließen. Dafür tüftelt das junge Team an einer Second-Screen-Anwendung. „Es ist schon etwas anderes, seine Kunden, hier in diesem Haus empfangen zu können, als in einem Seminarraum der Uni“, sagt Holtbecker.

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Marc Holtbecker genießt das „betreute Unternehmertum“ im CHIC. Seine Firma „Storyfeed“ hat ihre Geschäftsidee schon viele Preise bekommen. Foto: Amin Akhtar

Neben Holtbecker haben sich inzwischen 50 Kleinunternehmen im CHIC, dem Charlottenburger Innovationszentrum angesiedelt. Insgesamt stehen rund 5000 Quadratmeter Mietfläche zur Verfügung, 80 Prozent davon sind belegt. Bis jetzt haben sich überwiegend technologieorientierte und im Geschäft mit Kunden aus der Industrie tätige Unternehmen niedergelassen. „Wir wollen von hier aus die Welt erobern“, sagt Peter Walde, dessen Start-up „mapegy“ inzwischen auf 15 Mitarbeiter angewachsen ist und Unternehmen Tools anbietet, um Innovation, Wettbewerb und Technologietrends zu messen und zu beobachten. Beide Jungunternehmer würdigen die flexibel zumietbaren Büroflächen, die modernen Techniksysteme, umfassende Beratungsangebote und, „dass man auch eine eigene Kaffeemaschine aufstellen kann“, sagt Holtbecker. „Wichtig ist aber auch die Nähe zu TU und UdK und der enge Austausch der Start-ups untereinander“, sagt Walde.

21,8 Millionen Euro Fördermittel für das CHIC

Seit Donnerstag ist das CHIC nun offiziell geöffnet. 21,8 Millionen Euro Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung der Betreibergesellschaft Innovations-Zentrum Berlin-Management GmbH (IZBM), einer Tochter des Wissenschafts- und Technologieparks Berlin-Adlershof (Wista), für den Umbau zur Verfügung gestellt. Nun ist der Gebäudekomplex der ehemaligen Gerling-Versicherung an der Bismarckstraße 10-12 denkmalgerecht instandgesetzt und den Bedürfnissen seiner neuen Mieter angepasst.

Berlin wird auch zur Gründerhauptstadt

Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, sieht das Geld allerdings gut angelegt: „Berlin boomt, wir kommen gerade wieder“, sagt die CDU-Politikerin anlässlich der Eröffnung fast ein wenig triumphierend. 40.000 junge Unternehmensgründungen im Jahr machten Berlin auch zur Gründerhauptstadt Deutschland. Doch auch immer mehr etablierte Unternehmen wollten sich in Berlin ansiedeln, um von der Nähe zur innovativen Gründerszene der Stadt zu profitieren, sagt die Wirtschaftssenatorin. „Mit dem Zukunftsort CHIC hier in Charlottenburg wird an der Schnittstelle von Technologie, Kreativwirtschaft und Wissenschaft eine Lücke in der Gründerlandschaft geschlossen“, sagt Yzer. Vor allem junge Unternehmen aus der Medizintechnik, Sensorik und Industrie 4.0 fänden hier mitten in der City West ein Zuhause.

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Ziehen an einem Strang: Mark Holtbecker von „Storyfeed“, Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD), Wirtschafstsenatorin Cornelia Yzer (CDU), IZBM-Geschäftsführer Roland Sillmann. Foto: Amin Akhtar

IZBM-Geschäftsführer Roland Sillmann verwies darauf, dass „in der Technischen Universität Berlin (TU) und der Universität der Künste Berlin (UdK) jedes Jahr viele Ideen für Unternehmensgründungen geboren werden. Diese Start-ups können dem Areal rund um den Ernst-Reuter-Platz wichtige wirtschaftliche Impulse geben. „CHIC ist in einem Haus untergebracht, das nicht nur chic ist, sondern viel Ausstrahlung und Geschichte hat“, sagt Sillmann. Doch auch, wenn das Gebäude viel Vergangenheit habe, sei er sich sicher, dass es auch viel Zukunft haben werde. Er werde manchmal gefragt, warum die jungen Unternehmen ein solches repräsentatives Objekt benötigten, sagt Sillmann. Doch Kreativität und Innovationsgeist reichten nicht für den Erfolg, der Eindruck, der gegenüber potenziellen Kunden vermittelt würde, sei ebenso wichtig. „Wir können den Start-ups in unserem neuen Haus das passende Umfeld zum Wachsen bieten.“ Sillmann, der auch Wista-Geschäftsführer ist, weiß, wovon er spricht: „Allein von den Unternehmen in Adlershof fließen jährlich 200 Millionen Euro zurück in den Landeshaushalt“, sagt er. Auch von den Unternehmen im neuen CHIC erhofft sie die Stadt künftige Impulse für die Berliner Wirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Campus Charlottenburg wird zum innerstädtischen Wachstumskern

Das CHIC resultiert aus dem Projekt „Nachhaltige Vitalisierung des kreativen Quartiers auf und um den Campus Charlottenburg“ (Navi BC). Aufgabe von Navi BC war es, das Gebiet um den Campus Charlottenburg zum innerstädtischen Wachstumskern zu entwickelten. Hierzu legte die Adlershof Projekt GmbH, ein Tochterunternehmen der Wista-Management GmbH, in Kooperation mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der TU Berlin und der UdK Berlin 2009 eine Entwicklungsplanung vor, zu der auch der Aufbau eines Innovationszentrums gehörte. 2010 erstellte die IZBM ein Konzept zu dessen Aufbau und Betrieb. Noch im selben Jahr ließ die Senatsverwaltung für Wirtschaft der IZBM den „Vorläufigen Teil-Zuwendungsbescheid“ zum Erwerb und Ausbau des ehemaligen „Gerling-Hauses“ zukommen.

 

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