Aktuelles / Montag, 27.03.2017

City West-Paketdienst
testet den Tripple

Maximaler Stauraum auf minimaler Verkehrsfläche: Roland Prejawa glaubt an die Zukunft des dänischen Tripple. Foto: Thomas Schubert

Wenn der Öko-Bote zweimal klingelt: Roland Prejawa will mit seiner Firma Urban Cargo die Kurierbranche aufmischen. Zum Einsatz kommt der Tripple – ein Zwerg-Lieferwagen, der keinen Tropfen Sprit verbraucht.

Von Thomas Schubert

Zwei Lichtpunkte gleißen im Dunkeln. Ein feines Surren klingt immer lauter. Und dann saust aus der Tiefgarage des Kudamm-Karree etwas hervor, das aussieht wie ein Baby-Wal auf drei Rädern. „Das ist der Tripple“, präsentiert Start-up-Gründer Roland Prejawa seine Antwort auf offene Fragen.

Der Tripple ist nur 1,15 Meter breit

Wie erhöht man die Reichweite bei der Paketzustellung? Wie stellt man möglichst viele Lieferungen mit einer Fuhre zu? Prejawa will es wissen – und testet mit seiner Firma Urban Cargo drei Exemplare des neuen elektrischen Mini-Lieferwagens aus Dänemark. Unter der buckligen Haube passt mehr Frachtgut als in den Kofferraum eines Taxis: 750 Liter. Doch der Tripple kommt mit einer Breite von nur 1,15 Metern auch dort durch, wo ein ausgewachsener Transporter im Berliner Verkehrsgewühl steckenbleibt. Beschleunigt wird per Drehgriff elektrisch – sekundenschnell auf 45 Kilometer pro Stunde. Und erst nach etwa 120 Kilometern zapft der Ökowagen an der Steckdose neuen Saft. Wenn alles klappt, sind dann alle Pakete zugestellt und der Tripple parkt wieder in seinem Hub.

Steckdosen unter Tage: In der Tiefgarage des Kudamm Karree zapfen die Tripple von Urban Cargo Strom für bis zu 120 Kilometer lange Kurierfahrten. Damit kommt die Ware deutlich weiter als mit Lastenfahrrädern. Foto: Thomas Schubert

„Das ist recht effektiv. Und ein Moped-Führerschein genügt“, zeigt sich Prejawa mit dem Konzept bislang zufrieden. Obwohl theoretisch auch 16-Jährige im gefederten Sattel sitzen dürften, beschäftige Urban Cargo nur volljährige Tripple-Fahrer – weil man bei der Paketzustellung auch Alkohol transportiert.

Lastenfahrräder als Rückgrat der Flotte

Noch ist der Stückpreis des so genannten Leichtkraftfahrzeugs mit rund 15.000 Euro teuer. Trotzdem kaufte Prejawa drei Exemplare für seinen Fuhrpark ein und testet sie exklusiv. Das Rückgrat des neu gegründeten Transportunternehmens bilden aber zunächst acht Lastenfahrräder. Deren 180 bis 240 Liter großen Ladekisten genügen für eine zweistündige Zustelltour für vier bis fünf Kunden.

Dazu muss man wissen: Prejawa und seine 15 fest angestellten Mitarbeiter leben im Zweistundentakt. Dies ist das Zeitfenster, zwischen Empfang des Auftrags und der Zustellung des Pakets an den Endabnehmer. 60 bis 80 Kilometer – so viel legt jedes einzelne Gefährt täglich zurück. Hauptauftraggeber ist ein großer amerikanischer Internetversandhandel, der seit 2016 im Kudamm-Karree ein Depot betreibt. Und Urban Cargo passt sich dessen Arbeitsrhythmus an, liefert Bestellungen innerhalb des S-Bahnrings aus, ohne einen Tropfen Benzin zu verbrennen. Und mit dem Tripple kommt man sogar ein Stück über den Ring hinaus.

Ein Kofferraum auf Rädern: 750 Liter Volumen passen unter die Haube des Leichtfahrzeugs. Foto: Thomas Schubert

Es sind unternehmerisch-praktische Fragen, mit denen sich Prejawa als Geschäftsführer befasst. Endlich wieder in Vollzeit wirtschaften nach zehn Jahren in der Politik. Wer mit Roland Prejawa zuletzt zu tun hatte, kannte ihn als Wirtschafts- und Verkehrsexperten der Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Vorbei. Jetzt betreut er sein Start-up-Unternehmen in den Katakomben des Kudamm-Karree, wo Urban Cargo seinen Fuhrpark verwaltet.

Die Politik macht Pause

Nun ist es nicht so, dass sich Prejawa mit seiner Partei überworfen hätte. „Ich wollte einfach mal fünf Jahre Pause haben“, begründet er den Rückzug aus der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort leitete er bis September gleich zwei arbeitsreiche Ausschüsse – den für Wirtschaft, Ordnung und Verkehr und denjenigen für Integration. Heute weiß Prejawa: Das war zu viel. Das zerrte zu weit weg vom eigenen Kurs.

Jetzt also tritt der 55-Jährige politisch kürzer, ist dafür zurück in der Wirtschaft und verdient Geld damit, dass er Dinge in Bewegung hält. So wie damals im Jahre 1983, als der studierte Diplomkaufmann das Busunternehmen Gullivers Reisen mit aus der Taufe hob. Dann kam ein afrikanisches Restaurant, dann die Geschäftsführung des Clubs Tresor, dann eine Strandbar. „Ich mag die Praxis“, begründet Prejawa seinen Tatendrang. Und das Schicksal wollte es, dass er gegenüber der früheren Anwaltskanzlei seines Vaters an der Uhlandstraße wieder einmal von vorne anfing.

Das Rückgrat der Flotte: Roland Prejawa vertraut auf kürzeren Etappen innerhalb des S-Bahnrings auf Lastenfahrräder mit Stauboxen. Foto: Thomas Schubert

Dass sein Geschäft Zukunft hat, hält Prejawa für offenkundig – „der Raumverbrauch herkömmlicher Transporter ist für die zukünftige Entwicklung der Stadt einfach zu hoch.“ So hat der neue Senat Pläne ein Arbeit, um an mehreren Standorten Berlins Hubs, also kleine Drehkreuze für Kurierdienste, zu eröffnen. Und einer der ersten Hubs Berlins ist eben die Garage des Karrees, wo die drei Tripple an der Steckdose hängen.

Das Verhältnis Raumverbrauch zu Transportvolumen ist das, was den Wagen für Urban Cargo attraktiv macht. Er klingt wie das ferngesteuertes Auto. Es sieht aus wie verzwergter Wal. Und ob das Tripple wirklich die Zukunft der Paketzustellung ist? Roland Prejawa probiert es aus.

 

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