Aktuelles / Mittwoch, 12.07.2017

Bezirk will Grünflächen
am Westkreuz sichern

Blick in ein kaum bekanntes Biotop: Selbst Parkbänke sind in der Brache am Westkreuz bereits vorhanden. Foto: Thomas Schubert

Das Bezirksamt schlägt einen ersten Pflock für einen zukünftigen Park am Westkreuz ein und stellt einen Bebauungsplan zur Sicherung des Grüns auf.

Von Carolin Brühl

„Der Beschluss ist ein wichtiger erster Schritt zur Sicherung der wertvollen Kaltluftschneise aus den südwestlichen Umlandgebieten bis in die Innenstadt rund um den Kaiserdamm/Lietzensee und Stuttgarter Platz“, sagt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Damit werde auch klar gestellt, dass der Bezirk einer Bebauung des Westkreuz-Geländes, wie es teilweise von der Bahn geplant wurde, nicht zustimmen wird. Die ehemaligen Bahnflächen werden Schruoffeneger dringend benötigt, um die Frischluftschneise in die Stadt zu sichern und wohnortnahe Grünflächen für die unterversorgten benachbarten Wohngebiete zu schaffen.

Naherholungsziel Westkreuz schon in zehn Jahren


Im weiteren Verfahren muss nun geklärt werden, wo Kleingärten der Eisenbahnlandwirtschaft gesichert werden, welche Teilflächen als naturnahe Flächen sich weitgehend selbst überlassen bleiben und, welche Flächen zu Grünanlagen oder Spielplätzen werden. „Der Aufstellungsbeschluss lässt dies bewusst offen, um der weiteren Diskussion auch mit den Anwohnerinnen und Anwohnern nicht vorzugreifen“, sagt der Stadrat.

Gelände gehört der Bahn

Wenn die ehrgeizigen Pläne des Bezirks aufgehen, für die er bisher durchaus auch Rückdeckung von Senatsseite bekommt, könnte der Westkreuz-Park als neues Naherholungsziel schon in zehn Jahren eröffnen. Doch noch gehört das Areal der Bahn, die es als Baugrundstück verkaufen möchte. Dem Vernehmen nach hat der Immobilienentwickler Christian Gérôme Interesse angemeldet und will 900 Wohnungen an diesem Standort bauen. Pläne, die beispielsweise von der FDP in Charlottenburg begrüßt und unterstützt werden.

Durchwegung von Charlottenburg und Halensee

Wie auch immer die Anlage 2030 aussehen wird – ein zweites Projekt schafft schon 2018 erste Tatsachen: der neue Haupteingang für den Bahnhof. Dabei hat sich der Bezirk verpflichtet, aus der Rönnestraße in Charlottenburg und vom südlichen Rand der Brache in Halensee eine Art Zubringer für S-Bahnpassagiere zu bauen. Wenn der Plan Wirklichkeit wird, gelangt man künftig aus beiden Stadtvierteln geradewegs an die Ost-West-Bahnsteige. Favorisiert wird dabei offenbar eine Überbrückung der verwinkelten Flächen. Denn die jetzigen Pfade entlang der Kleingärten wären für Pendlerströme zu schmal.
Doch gerade die Kleingärtner fürchten, dass ihr kleines Grün dem großen Grün des künftigen Parks untergeordet wird. Ängste, die Schruoffeneger nicht teilen mag. Man werde bei der Planung der neuen Naherholungsfläche möglichst behutsam vorgehen und die Gärten schonen, versicherte er bei einer Diskussionsveranstaltung mit den Kolonisten. „Es wird nicht darum gehen, Gärten zu zerstören für andere Arten von Grün“, versuchte auch Grünen-Kreisvorsitzende Franziska Eichstädt-Bohlig zu beruhigen.

 

 

Kommentare

  1. Die Rot-Grün-Rote Zählgemeinschaft hat die Entscheidung getroffen, aus der Brache am Westkreuz einen Park zu machen. Dies geschah aber ohne Einbindung der Beteiligten – und vor allem ohne eine vorherige Klärung der Eigentumsrechte. Auch eine Absprache mit den Betroffenen, wie beispielsweise den Kleingärtnern, hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Eine bloße Änderung des Flächennutzungsplans oder ein Aufstellungsbeschluss für ein Bebauungsplanverfahren führt noch lange nicht zu einer Gestaltung als Park. Es bleibt weiter unklar, wie der Kaufpreis in zweistelliger Millionenhöhe finanziert werden soll. Wenn die Bahn tatsächlich an einen privaten Investor verkauft, kann nicht über das Eigentumsrecht hinweg entschieden werden.
    Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Freifläche am Westkreuz Potential für Wohnbebauung UND einen Park bietet. Die bisher bekannt gewordenen Entwicklungsstudien sehen eine Sicherung der Kleingartenflächen und die Schaffung eines öffentlich zugänglichen Parks vor. Dieser Park müsste nicht aus Bezirksmitteln finanziert werden, die Pflege des Parks ließe sich über vertragliche Regelungen so sichern, dass der Bezirkshaushalt nicht belastet wird.
    Fazit: Nicht aus ideologischen Gründen die Potentiale der Freifläche verspielen.

  2. Pingback: Die Märchen des Herrn Heyne von der FDP – WestkreuzPark! – Naturpark am Westkreuz in Berlin

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