Aktuelles / Sonntag, 12.11.2017

Berliner Marzipan macht
sich einen Namen

So sehen Verpackung und Inhalt der neuen Marzipan-Marke Ohde aus Berlin aus. Foto: Anja Meyer

Berlin hat jetzt eine eigene Marzipan-Marke: Ohde Marzipan. Am Freitag eröffnete der erste Laden an der Uhlandstraße in Charlottenburg.

Von Anja Meyer

Wer an Marzipan aus Deutschland denkt, dem kommt wohl als erstes Niederegger aus Lübeck in den Sinn. Die norddeutsche Stadt ist so bekannt für ihre Marzipan-Produktion, dass die süßen Konfekte sogar in manchen Berlin-Souvenir-Ecken zu kaufen sind. Zum Beispiel am Flughafen. Doch da habe Lübecker Marzipan nach Ansicht von Unternehmer Hamid Djadda nichts zu suchen. Denn Berlin hat sein eigenes Marzipan: Seit mehr als 100 Jahren produzieren zwei der fünf führenden Marzipanhersteller Deutschlands mitten in der Hauptstadt. Nur weiß das bis jetzt kaum jemand, da die Rohmasse nur in großen Mengen verkauft wird. Deshalb hat Djadda jetzt die neue Marzipan-Marke Ohde gegründet. Am Freitag eröffnete der erste Ohde-Laden – direkt an der Uhlandstraße. Ab 16. November  sind die süßen Pralinés auch online erhältlich, Anfang Dezember eröffnet ein weiterer Laden im Bikini Berlin.

Soziales Projekt

Ohde ist nicht nur eine neue Süßwaren-Marke, sondern vor allem auch ein soziales Projekt. 51 Prozent des Gewinns sollen in eine soziale Stiftung fließen, die gerade noch gegründet wird. Damit will Gründer Hamid Djadda Bildungsprojekte an einer Schule in Neukölln – wo die beiden Marzipanhersteller Firma Lemke und Firma Moll sitzen – finanzieren. Der Rest des Erlöses gehe an die Manager der Marke, Djadda selbst will damit nach eigenen Angaben lediglich symbolische zwei Euro im Jahr verdienen. Der 60-jährige Unternehmer leitet unter anderem die Blechschild-Manufaktur und vertreibt persische Delikatessen. „Ich brauche keine weitere Firma mehr für meinen Lebensunterhalt“, sagt er. „Aber ich will die alte Marzipantradition aus Neukölln bekannt machen und mich für Bildung und damit gegen soziale Benachteiligung einsetzen.“

Hamid Djadda hat die neue Marzipan-Marke Ohde gegründet. Foto: Anja Meyer

Djadda stammt ursprünglich aus dem Iran, ist in Hamburg aufgewachsen, gründete mehrere Firmen und lebte zuletzt jahrelang mit seiner Familie in Thailand, wo er eine Firma leitete. Vor fünf Jahren zog er mit seiner mittlerweile 17 Jahre alten Tochter nach Charlottenburg, damit auch sie gut Deutsch sprechen lernt und hier ihr Abitur macht. Seine Tochter ist wohl auch der Grund, weshalb es von Ohde nicht nur Marzipan gibt, denn sie mag die süße Mandelmasse so gar nicht. „Für Leute, die kein Marzipan mögen, gibt es bei uns auch andere leckere Würfel.“ Zum Beispiel mit Schokolade überzogene Fruchtwürfel oder aus Sahne und Schokolade bestehende Ganache-Pralinen. Die Rezeptur für die Ganaches stammt von der preisgekrönten Schokoladenmeisterin Sabine Dubenkropp, die ihre Confiserie in Charlottenburg führt. Fünf Rezepturen hat sie für Ohde kreiert.

Chocolatiers aus der City West beteiligt

„Ich finde es total toll, dass aus dem Berliner Marzipan jetzt eine Marke wird“, sagt Sabine Dubenkropp. Sie selbst habe nie mit dem Berliner Marzipan arbeiten können. Denn für ihre Pralinen benötigt sie immer nur eine kleine Menge Marzipan-Rohmasse. Die Mindest-Einkaufsmenge bei den Neuköllner Marzipan-Herstellern beträgt jedoch 12,5 Kilogramm. „Zu viel für mich, da musste ich leider immer Marzipan aus anderen Städten einkaufen“, sagt Dubenkropp. Neben Sabine Dubenkropp hat die ebenfalls preisgekrönte Berliner Patissière Karina Appeldorn, die früher im Gourmetrestaurant First Floor des Palace Hotels arbeitete, mit an den Rezepturen gefeilt.

Ohde hat auch marzipanfreie Pralinés im Repertoire. Zum Beispiel Fruchtwürfel. Foto: Anja Meyer

Insgesamt gibt es die edlen Marzipanwürfel von Ohde jetzt erst einmal in mindestens 30 verschiedenen Geschmacksrichtungen. Dazu gehören Würfel mit 62 Prozent Marzipanrohmasse, andere mit Pistazien, Orange oder Kirsche. Sie sind unter anderem mit der persischen Berberin-Pflanze, Rosenblüten oder anderen edlen Genussmitteln verziert. Eine Viererpackung kostet 4,80 Euro. Dazu kommt der sogenannte Rixdorfer Glückswürfel, der einzeln in orange verpackt für einen Euro an Kassen im Einzelhandel verkauft wird. Dieser Euro soll komplett in die Stiftung fließen, bislang haben sich Mediamarkt und Saturn für den Verkauf des Rixdorfer Glückswürfels gemeldet.

Gläserne Manufaktur geplant

In Zukunft will Hamid Djadda neben dem Laden am Kudamm noch eine gläserne Marzipanmanufaktur eröffnen. Die soll dann aber in Neukölln beheimatet sein – in der Nähe der beiden Marzipanhersteller. Doch erst einmal will er sein neues Marzipan bekannt machen. „Damit es irgendwann das typische Souvenir ist, das Touristen aus Berlin mitbringen.“

Information

Ohde Berlin, Uhlandstraße 180, Charlottenburg

 

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