Aktuelles / Freitag, 30.06.2017

Stadtbad Krumme Straße:
Besserung versprochen

Stadtbad Charlottenburg - Alte Halle. Foto: Berliner Bäder Betriebe

Der Ärger über die dauernde Schließung des Stadtbads Charlottenburg ist groß. Jetzt hat der BVV-Sportausschuss die Bäderbetriebe zur Situation befragt.

Von Philipp Siebert

Noch bis zum 6. August bleibt die Alte Halle des Stadtbads Krumme Straße für Besucher geschlossen. Das Personal wurde abgezogen, damit es über die Sommermonate im Olympiabad eingesetzt werden kann. Einzig Kurs- und Vereinsschwimmen findet statt. Schon länger macht sich deswegen im Bezirk Unmut breit. Vor allem alte Menschen fühlen sich übergangen, weil das Bad durch sein 30 Grad warmes Wasser explizit auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Darüber hinaus gingen der turnusmäßigen Schließung seit dem 24. April überdurchschnittlich viele kurzfristige betriebsbedingte Schließungen voraus. Von aufeinanderfolgenden 22 Tagen im März und April zählte Joachim Kuntze elf, an denen das Bad, anders als in den Öffnungszeiten angegeben, nicht zugänglich war. Als Bürgerdeputierter im Sportausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf ist nicht nur für den 80-Jährigen dieser Zustand unannehmbar.

Bäderbetriebe: Situation absolut unbefriedigend

„Die Situation in der Alten Halle ist absolut unbefriedigend“, räumte auch Stefan Kreuder von den Berliner Bäder Betrieben (BBB) ein, der dem Sportausschuss diese Woche dazu Rede und Antwort stand. Wo allerdings früher vor allem technische Gründe zu spontanen Schließungen geführt hätten, sei es heute der Personalmangel, sagte der Bädermanager. Noch vor wenigen Jahren hätten die Bäderbetriebe mehr Bewerber gehabt als freie Stellen – mittlerweile sei es genau umgekehrt. Die dünne Personaldecke führe dazu, dass das Betriebsklima nicht so sei, wie es sein sollte. Der plötzliche Tod eines leitenden Mitarbeiters in Charlottenburg habe die Abläufe zusätzlich erschwert.

Gewohntes Bild: Die Alte Halle in der Krummen Straße ist geschlossen. Foto: Philipp Siebert

Dabei wies Kreuder auch darauf hin, dass jedes Bad, das öffnen wolle, bestimmte rechtliche Vorgaben beim Personal erfüllen müsse. So sei etwa bei einem 50 Meter Becken die Anwesenheit von zwei Rettungsschwimmern Pflicht. Außerdem müsse die Anlage ständig unter Aufsicht von Fachpersonal stehen, da sie mit hochgiftigem Chlorgas arbeitet. „Kommt einer dieser Mitarbeiter nicht zur Arbeit, etwa weil er krank ist, kann die ganze Halle nicht geöffnet werden, auch wenn das gesamte andere Personal da ist.“ Besondere technische Gegebenheiten würden es darüber hinaus erschweren, Mitarbeiter spontan aus anderen Hallen abzuziehen.

Guter Zustand soll wieder hergestellt werden

„Deshalb wollen wir weggehen von der einzelnen Badbetrachtung“, stellte Kreuder in Aussicht. Dienstpläne sollen künftig auf Grundlage bereits bestehender Bad-Verbünden angefertigt werden. Diese setzen sich aus vier bis fünf Bädern zusammen, in denen sich die Mitarbeiter auskennen und flexibel eingesetzt werden sollen.

Dazu brauche es allerdings mehr Personal, das auf Abruf bereit stehen müsste, gab der Sportausschussvorsitzende Hans-Joachim Fenske (CDU) zu Bedenken. Der Senat hat den Bäderbetrieben berlinweit 25 neue Stellen genehmigt. Wie hoch der Bedarf aber tatsächlich ist, konnte Bädermanager Kreuder mit Verweis auf ein entsprechendes Gutachten, dass erst kommende Woche vorliegen soll, nicht sagen. Allerdings geht er davon aus, dass zur Wiedereröffnung der Alten Halle dort alle Stellen besetzt sind. „Unser Ziel ist es, den guten Zustand in Charlottenburg-Wilmersdorf wieder herzustellen.“

Ausschuss bleibt erst mal skeptisch

Der Sportausschuss war mit den Ausführungen der Bäderbetriebe nur in Teilen zufrieden. „Wir können uns nicht so richtig vorstellen, wie das personell gehen soll“, sagte der Vorsitzende Fenske. Aktuell sehe es für ihn so aus, als würden die Bäderbetriebe ein Loch stopfen wollen, aber dafür woanders eins aufreißen müssen. „Ohne personellen Überhang funktioniert das nicht.“ Allerdings müsse man abwarten, wie sich der Plan bewähre.

Das Städtische Volksbad Charlottenburg wurde 1896/98 errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Foto: Philipp Siebert

In einem anderen Punkt scheint sich jedoch etwas zu bewegen. Seit Jahren wird von verschiedenen Stellen moniert, dass die Schwimmhalle im Alten Bad zum Nachteil vieler Senioren nur über eine Treppe zu erreichen ist. „Deshalb haben wir schon vor Längerem bei den Bäderbetrieben nachgefragt, ob der Einbau eines Treppenlifts möglich wäre“, sagte der Bürgerdeputierte Kuntze. Der Lift sei jedoch schwierig einzubauen, da das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude unter Denkmalschutz stehe, antworteten die BBB. Für September wurde aber dennoch eine gemeinsame Begehung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde verabredet.