Aktuelles / Dienstag, 26.01.2016

Gratis-Elektrobusse für den Kudamm

Geht es nach der AG City sollen an den Bushaltestellen auf dem Kurfürstendamm auch Elektrobusse halten Foto: Frank Lehmann

Händler der AG City planen aus Anlass des 40-jährigen Bestehens ein neues Verkehrsprojekt: Auf dem Kudamm sollen Elektrobusse fahren – kostenlos für die Fahrgäste.

Von Brigitte Schmiemann

Händler, Hotels und Hauseigentümer in der City West haben schon viel geschafft. Seit 40 Jahren ziehen sie in der Arbeitsgemeinschaft City (AG City) an einem Strang. Den Weihnachtsmarkt neben der Gedächtniskirche haben sie zusammen mit dem Schaustellerverband Berlin ins Leben gerufen, die Lange Nacht des Shoppings auf dem Kurfürstendamm organisiert und zusammen mit der BSR für eine saubere City West gesorgt, indem sie die Kosten für zusätzliche Reinigung zahlten. In ihrem Jubiläumsjahr blicken die inzwischen 428 Mitglieder aber nicht nur zurück, sondern machen Pläne für die Zukunft.

So sollen kleine Elektrobusse in kurzen Abständen über den Kurfürstendamm fahren – zwischen dem Wittenbergplatz in Schöneberg und dem Rathenauplatz in Halensee. „Wir sind in Gesprächen mit dem Fraunhofer Institut, das aus unserem Vorschlag ein praxisorientiertes, wissenschaftlich begleitetes Forschungsprojekt machen will“, sagte Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City.

Vision: Kostenloses Fahren über den Boulevard

Teil des Forschungsvorhabens sei die Erkundung des Marktes, welche Elektrobusse mit welchen Reichweiten, Geschwindigkeiten, Batteriesystemen und Preisen in Frage kommen. „Wir brauchen aber bestimmt noch zwei Jahre, bevor der erste Testbus losfährt“, erteilt Kupsch vorschnellen Erwartungen eine Absage. Die AG City träumt sogar davon, dass die kleinen Busse für jedermann „kostenlos nutzbar und über Werbung finanziert“ über den Kudamm fahren.

Durch weniger Lärm, bessere Luft und ein bequemeres Fahren könne die Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard erhöht werden. Zur Zeit sei es doch so, dass die Doppeldecker-Busse für die ältere Generation ohnehin nicht mehr geeignet seien.

Test mit E-Bussen hat Anlaufschwierigkeiten

Zurückhaltend äußern sich jedoch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu diesen Plänen. Im vergangenen Sommer hatten sie die Zukunft für ihre Busflotte eingeleitet. Seit dem 31. August verkehren auf der Linie 204 zwischen den Bahnhöfen Zoo und Südkreuz Elektrobusse. Doch das anfangs viel gelobte System kommt immer wieder ins Stottern. Nach Auskunft von BVG-Sprecherin Petra Reetz gab es bislang gerade einmal 19 Tage, an denen alle vier Elektrobusse fuhren. Um die Linie zu bedienen, müssen vier Busse gleichzeitig fahren. Doch weil einzelne Elektrobusse der Viererflotte immer wieder ausfallen, müssen auf der Teststrecke Dieselbusse einspringen. „Im Moment haben wir also kein zuverlässiges System, das wir elektrisch betreiben könnten“, sagte Petra Reetz. Solch ein Praxistest sei aber schließlich dazu da, um „erst einmal die Kinderkrankheiten herauszufiltern“.

Auch am Dienstag fuhren nur zwei E-Busse auf der Linie 204. Die zwei anderen standen in der Reparatur, bei einem gab es wieder Probleme mit dem Laden des Stroms. Noch gibt es also auch kein Konzept, wie solche Elektrobusse auf dem Kurfürstendamm in das bestehende Bussystem integriert werden könnten. Gibt es zusätzliche Busstationen, wo werden die Ladestationen gebaut, fahren die vorhandenen Linien weiter? All das muss auch noch geklärt werden.

Ende 2015 hatte die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf einen entsprechenden Prüfauftrag beschlossen. Das Bezirkskamt soll mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Verkehr sowie der BVG unter Einbeziehung der AG City prüfen, unter welchen Bedingungen Elektrobusse oder andere emissionsarme oder emissionsfreie Busse auf dem Kudamm eingesetzt werden können.

„Schaufenster der City West ist gut geeignet für solch ein Projekt“

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) hat sich über die Zukunftsvision der BVG und ihrer Teststrecke zwischen Südkreuz und Zoo gefreut und sagt: „Je mehr E-Busse desto besser, gern auch mit einem deutlichen Akzent für den Kurfürstendamm.“ Die Voraussetzung sei jedoch, dass die Batterien auch so leistungsstark seien, dass sie den Transport der Fahrgäste gewährleisteten. Der Kurfürstendamm als Schaufenster der City West sei jedenfalls gut geeignet, um solch ein umweltfreundliches Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Auch Restaurants, Kanzleien, Gesundheitscenter, Theater, Unternehmen unterschiedlichster Richtung, der Zoo und die Gedächtniskirche sind Mitglied im Netzwerk der AG City. Zu den Mitgliedern und den damit rund 20.000 Arbeitsplätzen gehören auch das Europa Center und das KaDeWe, das Waldorf Astoria und das Sofitel Berlin.

Neues Gesetz soll auch mehr Grünpflege ermöglichen

Die AG City, die sich mit ihren Mitgliedern insbesondere für die Entwicklung der City West einsetzt, setzt auch große Hoffnungen in das neue „Berliner Immobilien- und Standortgemeinschaftsgesetz“. Um zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße Projekte wie mehr Grünpflege oder Marketingmaßnahmen umzusetzen, habe die AG City die nötigen Unterschriften von den Hauseigentümern bereits zusammen. Das neue Gesetz eröffne große Möglichkeiten. “Berlins erste Shoppingadresse zu bleiben, ist tägliche Arbeit”, bilanzierte AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier. Stadtentwicklung, Kultur und Tourismus seien neben der Stärkung des Handels wichtige Aufgabenfelder.

Auch um die Weihnachtsbeleuchtung, um die sich in den vergangenen Jahren das Unternehmen Wall kümmerte und damit Gäste weltweit nach Berlin lockte, deren Weiterführung ab 2018 aber ungewiss ist, treibt die Mitglieder der AG City um. Mit diesem Projekt werde die Zusammenarbeit zwischen dem Bezirk und der privaten Wirtschaft auf den Prüfstein gestellt. Die AG City werde sich gern als Vermittler einsetzen, um die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Kurfürstendamm zu erhalten.

Regierender Bürgermeister überbrachte “riesengroßen Glückwunsch”

Am Abend feierte die AG City mit mehr als 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur den Auftakt des Jubiläumsjahres in der Gedächtniskirche. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) kam und überbrachte einen „riesengroßen Glückwunsch“. Es sei ein „stolzes Jubiläum und eine echte Erfolgsgeschichte“. Und es sei keine Selbstverständlichkeit, das es der AG City gelungen sei, die City West mit aktiven Partner attraktiver zu gestalten. Nur mit immer neuen Antworten in der sich ständig wandelnden Stadt sei die AG City so weit gekommen.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) übermittelte die Glückwünsche des Bezirks. Ganz klar: Die City West sei im Aufschwung – und das sei nicht immer so gewesen. Dafür seien viele, und eben auch die AG City verantwortlich. Die City West sei eine gute, eine einladende Adresse. Dazu gehöre, dass die AG City frühzeitig eine Willkommenskultur mit Blick auf Investoren, aber auch mit Blick auf die Gäste aus nah und fern gelebt habe. “Wir sind on the top, wenn es darum geht, den Menschen einladend zu begegnen”, freute sich Naumann. Dass die Unterstützung in der City West gut funktioniert, zeigte schließlich auch die Blumendekoration in der Kirche. Die Azubis der letzten bezirklichen Gärtnerei in Berlin, sie befindet sich in Charlottenburg-Wilmersdorf, hatten die Kirche feierlich geschmückt.

Für „40 Jahre aktives Netzwerken, das die AG City so lebendig und schlagkräftig macht“, bedankte sich AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier bei den Mitgliedern und Partnern. Gemeinsam für etwas brennen, für eine Sache stehen und sich immer für das Ganzheitliche engagieren, dafür stehe die Vereinigung. Der Erfolg sei sichtbar und motiviere zugleich für die Zukunft.

Festakt in der Gedächtniskirche: AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier (Mitte) flankiert von Michael Müller und dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD), Foto: Photo Huber

Festakt in der Gedächtniskirche: AG-City-Chef Klaus-Jürgen Meier (Mitte) flankiert von Michael Müller und dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (r.) und Pfarrer Martin Germer (l.) Foto: Photo Huber

Und auch Pfarrer Martin Germer lobte die Willkommenskultur. 1,3 Millionen Menschen besuchten jedes Jahr die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die Hälfte stamme aus Berlin und Deutschland, die andere Hälfte aus dem Rest der Welt. “Man muss nicht beten, aber man darf, jeder sei willkommen”, sagte Germer. Das blaue Licht im Kircheninnenraum, die Stille, der betende Jesus – für viele Menschen immer wieder Grund genug, einzukehren. Bevor in der Gedenkhalle weitergefeiert wurde, spielten die Musiker noch Hildegard Knefs Lied, bei dem so mancher mitsummte: Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm …

 

 

 

 

Kommentare

  1. Diese Idee finde ich sehr gut. Wünschenswert wäre sogar, dass man z. B. innerhalb des S-Bahn Ringes nur noch mit E-Autos und Bussen fährt bzw. fahren darf.

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